Die Tiefen, die nur Gott kennt
- wir sehen die Oberfläche, doch die Geheimnisse der Urflut liegen in Seiner Hand
inspiriert von Hiob 38, 16-21
Es gibt Abgründe in der Natur, in der Welt und in uns selbst, die wir nicht ergründen können.
Gott aber kennt auch die verborgensten Tiefen und führt uns hindurch, selbst dort, wo uns Orientierung und Verständnis fehlen.
Dieses Bild lädt Dich ein, den Blick vom Unbekannten zu lösen und Dein Vertrauen in den zu setzen, der den Grund aller Tiefen kennt.
„Bist du bis zu den Quellen vorgedrungen, aus denen die Meere entspringen? Hast du beim Spazierengehen die Urflut durchquert? Haben sich die Tore des Totenreiches vor dir geöffnet und hast du das Tor des Todesschattens gesehen? Hast du den Überblick über die ganze Weite der Erde? Sag es mir, wenn du dich mit all diesen Dingen auskennst!
Wo ist der Weg zur Wohnung des Lichts und an welchem Ort hält sich die Dunkelheit auf? Kannst du sie dorthin bringen, wo sie gebraucht werden, und sie dann wieder nach Hause begleiten? Natürlich, du weißt es! Denn damals warst du ja schon geboren und deine Lebenstage sind nicht zu zählen!“
Hiob 38,16-21 *
Gott fragt Hiob, ob er die Quellen des Meeres kennt, ob er den Grund der Urflut erforscht und dort je zu Hause gewesen ist. Doch das Meer birgt unbekannte Tiefen: Orte, die für den Menschen unzugänglich und lichtlos sind. Selbst wenn er dorthin gelangte, könnte er nichts erkennen.
Vor Gott aber bergen diese Abgründe keine Geheimnisse. Er wandelt dort wie auf vertrautem Terrain - Psalm 77,20*:
„Dein Weg führte durch das Meer, deine Straße durch die mächtigen Wasser, doch deine Fußspuren erkannte niemand!“.
Ihm sind die Strömungen, die uns verborgen bleiben, offenbar. Dem Menschen fehlt dieses Wissen, weil er diese Tiefen nicht betreten kann. Und wenn er schon die natürlichen Tiefen nicht kennt, wie viel weniger vermag er Gottes Wege in den verborgenen Tiefen seines eigenen Lebens zu durchschauen?
Doch es genügt, dass Gott selbst den Weg kennt: das Ziel, die Richtung, den Durchgang mitten durch die großen Wasser der Prüfungen hindurch.
Persönliche Reflexion für Dich
- Welche unergründlichen Tiefen in Deinem Leben erinnern Dich daran, dass Gott sie besser kennt als Du?
- Wo spürst Du den Wunsch, alles verstehen und erklären zu wollen, und wo könntest Du lernen, es Gott zu überlassen?
- Welche Entlastung könnte darin liegen, dass Gott den Grund Deines Lebenswegs bereits kennt, auch wenn Du ihn nicht ganz erfassen kannst?
Woran möchte uns dieses Bild erinnern?
Das Bild der Urflut lädt uns ein, dem Urteil, das wir über andere fällen, zu misstrauen.
Wir kennen weder die ganze Tiefe unserer eigenen Seele
noch die unergründlichen Schichten im Leben eines anderen.
Nur Gott allein sieht in jede Tiefe klar.
Es genügt, dass Er die verborgenen Quellen kennt und uns sicher durch alle tiefen Wasser führt.
Ein Bild wird zum persönlichen Gebet:
Ewiger Gott, Du kennst die Quellen der Meere und die Tiefen, die meinem Blick verborgen bleiben.
Du siehst, wo ich blind für die Abgründe meiner eigenen Seele bin, und wo ich vorschnell über andere urteile, ohne ihre Geschichte zu kennen.
Lass mich still werden vor Deinem Wissen.
Lehre mich, Dir zu vertrauen, wenn ich die Gründe nicht erkenne und auch die Tiefen meines Lebens mir manchmal unbegreiflich sind.
Du bist der, der Wege durch die Wasser bahnt und mich sicher hindurchführt.
Amen.
Wenn Bilder zu Spiegeln werden
persönliche Gedanken zum Gemälde
Kann ich je wirklich in die Tiefe der Seele blicken, in meine eigene oder gar in die eines anderen Menschen?
Wie schnell bin ich dabei, ein Urteil zu fällen, ohne dessen Geschichte zu kennen, ohne die verborgenen Höhen und Tiefen zu erahnen, die diesen Menschen geprägt haben. Und doch maße ich mir manchmal an, zu wissen, was dessen Beweggründe sind.
Aber selbst in mir finde ich Abgründe, die ich nicht durchdringen kann. Trotz vieler Jahre von Reflexion, Seelsorge und Arbeit an mir selbst, bleiben da dunkle Kammern, die mir verschlossen sind. Anteile, deren Sprache ich nicht verstehe.
Wenn ich schon meine eigene Seele nur bruchstückhaft erfassen kann, wie sollte ich jemals das Wesen eines anderen Menschen begreifen?
Gerade darin liegt ein leises Staunen:
dass Gott allein in alle Tiefen blickt: ungehindert, liebevoll und wissend.
- Welche Abgründe in Dir verstehst Du selbst nicht?
- Welche Entlastung schenkt es Dir, dass Gott sie kennt und Dich hindurchführt?
Die Tiefe des Meeres bleibt verborgen, doch die Galerie öffnet noch einen Blick in diese Geheimnisse.
Komm tiefer und entdecke mehr:
*Bibelübersetzung:
Neues Leben. Die Bibel © der deutschen Ausgabe 2002 / 2006 / 2024
SCM R.Brockhaus in der SCM Verlagsgruppe GmbH, Max-Eyth-Str. 41, 71088 Holzgerlingen
www.scm-brockhaus.de, E-Mail: [email protected]
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