Vom Wind geformt, von Tränen getragen
- inspiriert von Hiob 39 & Hiob 16
Dieses eindrucksvolle Gemälde fängt die majestätische Kraft und unzähmbare Schönheit des Pferdes ein, so wie es im Buch Hiob beschrieben wird.
Die wehende Mähne, der stolze Blick und die dynamische Bewegung erinnern daran, dass dieses wunderbare Wesen nicht vom Menschen geformt wurde, sondern Ausdruck göttlicher Schöpfung ist.
Die Farben im Hintergrund - von feurigem Rot bis zu tiefem Blau - spiegeln die Spannung zwischen Wildheit und Anmut wider, wie sie in Hiob 39 beschrieben wird.
Der Leib des Rosses ist geformt mit reiner Kraft. Sein Nacken trägt die Mähne wie ein wehendes Banner aus dem Himmelreich. Es scharrt in der Ebene, nicht aus Ungeduld, sondern aus gespannter Freude – bereit, sich dem Sturm zu stellen, getragen von der Kraft, die nicht von dieser Welt ist.
Ein Pferd in Bewegung, kraftvoll, ungebändigt, leuchtend: Beim Betrachten dieses Gemäldes kommen mir zwei scheinbar gegensätzliche Texte aus dem Buch Hiob in den Sinn: Kapitel 39, in dem Gott selbst die Majestät des Pferdes beschreibt, und Kapitel 16, wo Hiob in der Tiefe seines Leidens spricht.
Hiob sitzt im Staub. Die Welt, wie er sie kannte, ist zerbrochen. Sein Körper ist erschöpft, seine Seele wund.
In Hiob 16,7–8 spricht er Worte, die schwer sind wie Steine:
„O Gott, du hast mich zur Erschöpfung gebracht und meine Familie hast du vernichtet. Du hast mich hart angepackt, und das ist in den Augen der Leute ein Beweis für meine Schuld. Der Zustand meines Körpers spricht gegen mich und stempelt mich zum Lügner.“ *
Hiob kennt Gott – aber er versteht ihn in diesem Moment nicht. Er weiß, dass Gott gerecht ist, und doch fühlt sich alles an wie eine ungerechte Last. Er ringt mit der Frage, die auch wir kennen: Wie kann Gottes Hand zugleich halten und verwunden?
in Hiob 16,15-20 klagt er in seiner Not weiter:
„Als Zeichen der Trauer habe ich meine verkrustete Haut mit einem Sack bedeckt. Mein Stolz und meine Ehre liegen im Dreck. Mein Gesicht ist vom Weinen gerötet, meine Augen sind dunkel umrandet. Und doch klebt kein Unrecht an meinen Händen, mein Gebet ist aufrichtig. O Erde, verbirg mein Blut nicht! Mein Hilfeschrei soll nicht verhallen. Auch jetzt noch habe ich einen Zeugen im Himmel, mein Zeuge thront dort in der Höhe. Meine Freunde verspotten mich, aber ich sehe unter Tränen zu Gott auf.“ *
Und dann nach langer Stille, spricht Gott in Hiob 39,19–25. Doch er gibt keine Erklärungen. Er malt Bilder und stellt Fragen:
„Hast du dem Pferd seine Stärke gegeben oder seinen Hals mit der wehenden Mähne geschmückt? Hast du ihm die Fähigkeit geschenkt, Sprünge zu machen wie eine Heuschrecke? Sein majestätisches Schnauben kann einen Menschen erschrecken! Im Tal scharrt es den Boden und freut sich über seine Kraft.
Es zieht aus, dem gerüsteten Feind entgegen. Es lacht über die Angst und erschrickt nicht. Es flieht nicht vor dem Schwert. Über ihm klirrt der Köcher, es blitzen der Speer und der Wurfspieß. Wild und erregt stürmt es davon und lässt sich nicht zurückhalten, wenn das Schlachtsignal erklingt. Bei jedem Trompetenstoß wiehert es, von Weitem wittert es den Kampf, das Rufen der Anführer und das Kriegsgeschrei.“
Das Pferd kennt keine Angst vor dem Sturm. Es läuft dem Kampf entgegen – nicht, weil es lebensmüde wäre, sondern weil es geschaffen ist für diese Kraft, diesen Mut und diese Bestimmung.
Zwischen Hiobs Klage und Gottes Beschreibung des Pferdes entsteht ein Spannungsfeld: Hier der Mensch, der am Ende seiner Kräfte ist. Dort ein Geschöpf, das vor Kraft beinahe zerspringt. Vielleicht liegt die Botschaft darin, dass Gott Hiob - und auch uns - nicht nur auf unsere Schwachheit schauen lässt, sondern auf das, was Er in seine Schöpfung hineingelegt hat: unerschütterliche Stärke, furchtlosen Mut, Freude an der Bestimmung.
Das Pferd auf diesem Bild erinnert uns daran, dass diese Stärke nicht in uns selbst begründet ist. Sie kommt von Gott. Und selbst wenn wir - wie Hiob -verwundet und müde im Staub sitzen, gilt: Die Kraft, die uns trägt, ist nicht von uns. Sie ist ein Geschenk.
Und so flüstert dieses Bild des Pferdes Dir zu: Dein Schmerz ist wahr, aber nicht das Ende. Es gibt eine Stärke, die den Sturm nicht scheut. Diese Stärke gehört nicht Dir und doch trägt sie Dich sicher durch den Sturm.
Wie oft sehnen wir uns nach der Kraft des Pferdes: nach der Freiheit, loszulaufen; nach der Stärke, Stürmen zu begegnen. Und doch finden wir uns manchmal eher auf der anderen Seite wieder: erschöpft, zerschlagen und fragend - wie Hiob.
Dieses Bild erinnert uns daran, dass beides Raum hat in Gottes Gegenwart. Er kennt sowohl den Sprung in den Kampf als auch die Erschöpfung. Er sendet den Wind und zählt sogar die Tränen.
Vielleicht ist der Glaube genau das: Nicht nur ein Triumphlied auf das Licht, sondern ein stilles Vertrauen, dass selbst in der Dunkelheit ein göttlicher Blick auf uns ruht. So
ist dieses Pferd nicht nur ein Symbol der Kraft, sondern auch eine Erinnerung:
Du bist gesehen - in Deiner Stärke und in Deiner Schwäche.
Persönliche Reflexion für Dich
- Wo sehe ich mich heute: eher im Staub wie Hiob oder im Lauf wie das Pferd?
- Welche „Stürme“ oder „Schlachten“ stehen vor mir, und wie gehe ich auf sie zu?
- Erwarte ich von Gott vor allem Erklärungen oder lasse ich mir von ihm auch Bilder schenken, die Mut wecken und tiefer blicken lassen?
- Kann ich glauben, dass Gottes Kraft auch dann in mir wirkt, wenn ich mich schwach und erschöpft fühle?
Gott ruft Dich:
aus dem Staub ins Leben, aus der Angst in den Mut,
aus der Enge in die Weite.
Ein Bild wird zum persönlichen Gebet:
Herr, Du siehst meine Müdigkeit, meine Augen, die vom Weinen trüb sind.
Du kennst den Staub, in dem ich sitze, und das Gewicht, das meine Schultern beugt.
Doch Du sprichst zu mir - nicht mit Erklärungen, sondern mit einem Bild: Ein Pferd, das dem Sturm entgegenläuft. Furchtlos, stark und getragen von einer Kraft, die nicht aus ihm selbst kommt.
So rufst Du auch mich: Du erinnerst mich daran, dass Deine Kraft in meiner Schwachheit zum Tragen kommt, und dass Dein Atem mein Herz wieder weitet.
Ich will aufstehen, nicht, weil meine Last kleiner geworden ist, sondern weil Du größer bist als meine Last.
Lass mich laufen, Herr, nicht auf der Flucht vor dem Sturm, sondern hinein in das Feld, das Du für mich vorgesehen hast.
Amen.
Wenn Bilder zu Spiegeln werden
Wie die Tiere aus Hiob zu mir persönlich sprechen, und uns lehren, uns selbst neu zu sehen
Immer wieder musste ich Unsicherheit und Entmutigung überwinden, um meine Kunst nicht zu verlieren, und sie trotz aller Ängste hinaus in die Welt zu bringen. Oft war es Menschenfurcht, die mich zurückhielt, und der Zweifel an mir selbst, der mich ausbremste.
Da wurde mir das Pferd zum Sinnbild. Eigentlich ist es ein Fluchttier, so wie ich mich manchmal fühle: schnell verunsichert und erschreckt, bereit davonzulaufen. Und doch hat Gott dem Pferd mehr gegeben als die Fähigkeit zu fliehen. Er hat ihm eine Überwinderkraft geschenkt, die sich im Kampf erhebt, die nicht aufgibt, und die sich aufrichtet und durchbricht.
Dieses Bild ermutigt mich: Auch wenn meine erste Reaktion Flucht sein mag, hat Gott mir die Kraft gegeben, nicht in der Angst stecken zu bleiben. Wie das Pferd kann ich mich erheben, aufbrechen und dem entgegentreten, was vor mir liegt.
Vielleicht erinnert Dich das Pferd daran, dass in Dir mehr Stärke steckt, als Du oft glaubst: eine Kraft, die nicht aus Dir selbst kommt, sondern von Gott, der Deine Schritte mutig macht.
Wie das Pferd im auch mitten im Sturm weiterläuft, so geht auch der Weg der Bilder weiter:
Entdecke die gesamte Serie in der Galerie
*Bibelübersetzung:
Neues Leben. Die Bibel © der deutschen Ausgabe 2002 / 2006 / 2024
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