Wo die Löwin wacht
- Vom Hunger, dem Fragen und dem Warten
- inspiriert von Hiob 38 & Hiob 7
Dieses Gemälde zeigt das kraftvolle Porträt einer Löwin vor einem lebendigen, farblich wechselnden Hintergrund, der von tiefem Rot über leuchtendes Gelb bis zu kühlem Türkis reicht.
Die intensive Farbgebung spiegelt die Spannung zwischen Wildheit und Fürsorge, Naturgewalt und Schutz wider - die zentralen Themen im biblischen Text Hiob 38.
Im Zentrum der Darstellung steht die Löwin, majestätisch und wachsamen Blickes, mit leicht geöffnetem Maul, das sowohl Stärke als auch Bereitschaft zur Handlung symbolisiert. Ihre Präsenz ist kraftvoll, fast erhaben, und ruft Respekt wie auch Mitgefühl hervor.
Der auf das Bild gemalte Text greift direkt die Worte aus Hiob 38, 39-40 auf:
„Kannst du für eine Löwin auf Beutezug gehen und den Hunger der jungen Löwen stillen, wenn sie in ihrem Unterschlupf kauern oder im Dickicht auf der Lauer liegen?“ *
Gott konfrontiert Hiob in diesem Kapitel mit der Frage, ob der Mensch überhaupt imstande ist, die Zusammenhänge der Schöpfung zu begreifen oder zu lenken. So wie etwa das Jagdverhalten der Löwinnen oder die Fürsorge für ihre Jungen. Der Mensch wird dadurch in seiner Ohnmacht sichtbar und Gott als derjenige, der die Welt mit Weisheit, Kraft und Fürsorge durchdringt.
In diesem Gemälde wird diese biblische Dimension bildlich erfahrbar gemacht:
- Die Löwin steht als Symbol für die göttlich geschaffene Ordnung, die zugleich eine wilde und fürsorgliche Natur in sich trägt.
- Die Fragen im Text rufen uns dazu auf, sich mit unserer eigenen Begrenztheit auseinanderzusetzen.
- Die Farbgebung des Gemäldes verstärkt die emotionale Wirkung: das Rot als Zeichen der Wildheit, das Gelb der Fürsorge, das Türkis der Verborgenheit.
Das Werk lädt ein zur Reflexion über menschliche Grenzen, göttliche Souveränität und die Schönheit wie auch Wildheit der Schöpfung. Es verbindet künstlerischen Ausdruck mit spiritueller Tiefe und stellt den Menschen in die ehrfürchtige Position des Fragenden, so wie Hiob vor Gott.
Dem gegenübergestellt wird diesem göttlichen Reden die menschliche Stimme Hiobs aus dem Buch Hiob 7,11–14 und 19-21. Dort klagt Hiob:
„Darum will ich nicht schweigen, sondern aussprechen, was mich quält. Meine Seele ist voll Bitterkeit, ich muss meine Klagen loswerden. Bin ich denn das Meer oder ein Seeungeheuer, dass du mich so streng bewachen lässt? Wenn ich denke: ›Mein Bett wird mich trösten, ich will versuchen, mein Elend im Schlaf zu vergessen‹, so erschreckst du mich mit Träumen und ängstigst mich mit Visionen.
Wie lange willst du mich noch so beobachten? Kannst du mich nicht in Ruhe lassen – nur einen Augenblick? Habe ich gesündigt? Was habe ich dir getan, du Wächter der Menschheit? Warum machst du mich zur Zielscheibe deiner Angriffe?
Bin ich dir eine Last? Warum vergibst du mir nicht meine Sünde und nimmst nicht meine Schuld von mir? Denn bald lege ich mich in den Staub und sterbe. Wenn du mich dann suchst, bin ich fort.“ *
Hiob wendet sich in seiner Verzweiflung an Gott. Er fühlt sich überwacht, bedrängt, missverstanden. Seine Klage ist der Ruf eines Menschen, der seine Existenz nicht mehr erträgt, und keine Antwort auf sein Leiden bekommt.
Die Löwin steht im Spannungsfeld zwischen diesen beiden Perspektiven:
- Gottes Ordnung der Schöpfung: souverän, wild, geheimnisvoll.
- Hiobs Klage: menschlich, verwundet, fragend.
Der Betrachter wird durch das Gemälde in diese Spannung hineingezogen:
Bist Du der, der für eine Löwin auf Beutezug gehen kann? Kannst Du die Verantwortung, das Leid, die Fürsorge in einer überfordernden Welt tragen? Oder fühlst Du Dich wie Hiob als der Fragende,
der Leidende, der im Dunkeln tastet?
Das Bild stellt indirekt die Frage: Wie kann der Mensch bestehen zwischen göttlicher Majestät und menschlicher Zerbrechlichkeit?
In der Verbindung von Hiob 38 und Hiob 7 wird der ewige Dialog zwischen Gott und Mensch sichtbar: zwischen Macht und Ohnmacht, Ordnung und Chaos, Reden und Schweigen. Dieses Werk ist kein einfaches Tierporträt, sondern eine visuelle Meditation über diese Grenzbereiche menschlicher Existenz - ausgedrückt in Farbe, Form und Wort.
Diese beiden Stimmen - Gottes Fragen und Hiobs Klagen - stehen im Bild nicht gegeneinander, sondern nebeneinander. Die Löwin wird zur Brücke: Sie ist Sinnbild der wilden Schöpfung, aber auch der fürsorglichen Mutter, die für ihre Jungen jagt. Sie ist Teil göttlicher Ordnung, aber auch Spiegel unserer Angst: Wer versorgt mich? Wer schützt die Verletzlichen?
Persönliche Reflexion für Dich
Du bist als Betrachter eingeladen, selbst zur Figur zwischen den Zeilen zu werden:
- Wo stehe ich gerade: im Sturm oder im Unterschlupf?
- Bin ich bereit, Fürsorge und Verantwortung zu übernehmen? Für mich und auch für andere?
- Oder fühle ich mich wie Hiob: fragend, müde, ehrlich und verzweifelt?
- Kann ich beide Stimmen in meinem Leben zulassen: die Klage und die göttlich-fragende Antwort, die nicht alles erklärt, aber alles umfasst?
„Kannst Du für eine Löwin auf Beutezug gehen?“
Diese Frage bleibt nicht im Bild, sie fließt an Dich weiter.
Diese Frage ist nicht nur ein Zitat, sondern eine Herausforderung:
Zur Fürsorge. Zum Aushalten. Zum Glauben oder zum Zweifeln & Fragen.
Vielleicht auch: zum stillen Staunen vor einer Ordnung, die größer ist als wir.
Ein Bild wird zum persönlichen Gebet:
Herr, Du kennst meinen Hunger und meine Fragen.
Du hörst meine Klage, wenn die Nacht zu lang wird und meine Worte schwer sind.
Du stellst mir Deine Fragen - nicht, um mich zu beschämen, sondern um mich zu erinnern:
Du bist größer als mein Begreifen, treuer als meine Gedanken, wachsamer als jede Löwin.
Lass mich ruhen unter Deinem Blick, auch wenn ich das Warum nicht kenne.
Lass mich warten im Dickicht, bis Dein Licht mich wieder findet.
Amen.
Wenn Bilder zu Spiegeln werden
Wie die Tiere aus Hiob zu mir persönlich sprechen, und uns lehren, uns selbst neu zu sehen
Oft ertappe ich mich dabei, wie ich auf der Lauer liege: nicht, um Beute zu ergreifen, sondern aus Angst vor Angriffen, Vorwürfen und kritischen Stimmen.
Wenn ich „draußen“ unterwegs bin, bleibe ich wachsam, manchmal übervorsichtig, statt auf die innere Kraft der Löwin in mir zu vertrauen.
Die Löwin aber lebt aus einer anderen Haltung:
Sie weiß um ihre Stärke. Sie muss sich nicht ständig beweisen oder ihre Stärke zur Schau stellen. Sie setzt ihre Fähigkeiten dort ein, wo sie gebraucht werden: für die Fürsorge ihres Rudels, für das Leben, das sie schützt. Alles andere ist für sie Zeitverschwendung.
Von ihr möchte ich lernen: Meine Kraft nicht im ständigen Wachsamsein zu verlieren, sondern sie gezielt zu bündeln für das, was wirklich zählt. Die Löwin lehrt mich, dass wahre Stärke nicht im Kämpfen um Anerkennung liegt, sondern im mutigen Dienen, in der Hingabe für das, was mir anvertraut ist.
Vielleicht lädt auch Dich die Löwin ein, Dich selbst zu fragen: Wo vergeudest Du Kraft in unnötiger Wachsamkeit? Und wo darfst Du sie neu bündeln für das, was wirklich Leben schenkt?
Die Löwin bleibt nicht allein. In der Galerie findet Du das ganze Rudel:
die Bilder der kompletten Serie
*Bibelübersetzung:
Neues Leben. Die Bibel © der deutschen Ausgabe 2002 / 2006 / 2024
SCM R.Brockhaus in der SCM Verlagsgruppe GmbH, Max-Eyth-Str. 41, 71088 Holzgerlingen
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